Dokumentarfim schockt viele Gäste

von Fabio Astuni (RGA)

 

Tausende Küken werden aus Gitterboxen auf ein Fließband gepackt, als seien sie leblose Gegenstände. In Brasilien werden Regenwälder gerodet, um Soja für europäische Futtermittel anzubauen. Währenddessen verhungern wenige Kilometer weiter die Menschen und warten vergeblich auf staatliche Hilfe.

Der "Wahnsinn der Lebensmittelindustrie" bekommt im mehrfach preisgekrönten Dokumentarfilm "We feed the world" ein Gesicht, das die zahlreichen Gäste im Kultur-Haus Zach auf dem Themenabend der Grünen schockte. Damit war in der anschließenden Diskussionsrunde mit der Landtagsabgeordneten der Grünen, Jutta Velte, und dem Bundestagskandidaten für den Oberbergischen Kreis, Michael Braun, für reichlich Gesprächsstoff gesorgt.

Andrea Struck-Münnekehoff, 2. Vorsitzende der Grünen aus Hückeswagen, appellierte vor allem an die Verbraucher: "Der Deutsche verzehrt im Schnitt 89 Kilo Fleisch im Jahr, dabei werden nur 29 Kilo empfohlen. Wenn jeder etwas weniger und dafür qualitativ besser essen würde, dann könnten die Landwirte zu vernünftigen Preisen artgerechter produzieren."

Horst Fink, Vorsitzender des SPD-Ortsverbandes, sah die Situation da schon problematischer: "Nicht alle Menschen sind so gut situiert, dass sie auf die Herkunft oder Erzeugung von Lebensmitteln achten können. Da zählt vor allem der günstige Preis."

Ein Landwirt verließ die Veranstaltung wutentbrannt

Die Hückeswagener Landwirte waren ebenfalls zahlreich vertreten und alles andere als positiv gestimmt. Einer der Bauern verließ wutentbrannt schon vorzeitig das Kultur-Haus Zach. Indes argumentierte Christian Felbeck sachlich: "Unsere Landwirtschaft hat großes Potenzial, aber die Anforderungen werden immer größer und die Flächen immer kleiner. Wir haben bereits 40 Hektar Land durch Gewerbegebiete verloren."

Jutta Velte versprach neue Lösungen, um den Ansturm der Kommunen auf die Gewerbeflächen einzudämmen. Die Gewerbesteuer, eine besonders wichtige Einnahmequelle der Kommunen, sei hier der Auslöser und müsse neu konzipiert werden.

Michael Braun ist selbst Landwirt und betreibt einen Milchviehbetrieb. Dementsprechend konnte sich der Bundestagskandidat mit den Problemen seiner Gäste identifizieren, denen er Mut machte: "Ich kann nur empfehlen, sich an Initiativen wie »Bergisch Pur« zu beteiligen. Das ist ein Verbund von Erzeugern und Vermarktern qualitativ hochwertiger Produkte aus dem Bergischen. Dieses Angebot wird sehr gut angenommen."

Es war ein kontroverser Abend, an dem viele Fragen rund um ein schwieriges Thema offen bleiben mussten. Für die Grünen-Chefin der Schloss-Stadt, Shirley Finster, war es jedenfalls eine gelungene Veranstaltung: "Wir sind sonst nicht so verwöhnt, was Publikum betrifft. Deshalb bin ich sehr glücklich, dass wir das Kultur-Haus Zach voll bekommen haben."