Hückeswagen

Frauenmangel in der Politik

VON NORBERT BANGERT - zuletzt aktualisiert: 15.07.2011

Hückeswagen (RP).Gibt's in Hückeswagen einen Frauenmangel in der Politik? Die BM sprach darüber mit zwei Hückeswagener Politikerinnen: Shirley Finster, Vorsitzende der Grünen, und Cornelia Päper, Fraktionsgeschäftsführerin der CDU.

Als im November 1918 die Frauen im Zuge der Novemberrevolution in Deutschland das Wahlrecht erhielten, war das eine politische Umwälzung. Doch dass eine tatsächliche Gleichberechtigung noch lange auf sich warten lassen würde, ahnten damals wohl nur wenige. Die immer noch nicht abgeschlossene gesellschaftliche Diskussion war Thema des "Frauencafés" im "Café Liebenswert", zu dem die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Susanne Müller, eingeladen hatte.

Im Stadtrat sind gerade einmal sechs der insgesamt 38 Mandatsträger weiblich, was einer Quote von 16 Prozent entspricht. Etwas besser schneiden die Frauen im Kreistag ab: Immerhin beträgt hier ihr Anteil 29 Prozent; 17 Frauen haben ein Mandat in diesem Gremium. Im Landtag und Bundestag liegen die Anteile in einem ähnlichen Bereich wie im Kreistag.

Im BM-Gespräch berichten Shirley Finster und Cornelia Päper über ihre Erfahrungen. "Die Hälfte der Bevölkerung sind Frauen. In der CDU sind es jedoch nur 20 Prozent der Mitglieder ", stellte Cornelia Päper fest. Dass Frauen bei den Christdemokraten nicht willkommen seien, kann sie nicht bestätigen. Im Gegenteil: "Als ich 1989 in die Politik gegangen bin, waren noch sehr viele Ältere aktiv. Aber die haben mich immer unterstützt und gefördert."

CDU diskutiert über Quorum

Frauen seien häufig auch in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens tätig, beispielsweise in der Schulpflegschaft oder in Vereinen. Auch in der CDU werde aufgrund der Mitgliederstruktur über ein Frauenquorum diskutiert. Dass mit einem höheren Frauenanteil auch eine Veränderung der politischen Inhalte einhergeht, will Cornelia Päper so nicht bestätigen. "Es gibt da keine großen Unterschiede", zeigt sie sich aufgrund der eigenen Erfahrungen überzeugt.

Im Gegensatz zu ihr glaubt Shirley Finster, dass "weibliche Politik" anders ist. "Frauen haben eine andere Diskussionskultur", sagt die Vorsitzende des Grünen-Ortsverbands. Diese sei mehr ergebnisorientiert und weniger egozentrisch. Natürlich gebe es wie in jedem anderen Bereich auch Gegenbeispiele, wo sich Frauen ganz bewusst an die Verhaltensweise der Männer anpassten. "Frauen müssen immer kämpfen, um sich durchsetzen zu können", hat Shirley Finster festgestellt.

Quotenregelung bei den Grünen

In Übereinstimmung mit Cornelia Päper bestätigt Shirley Finster jedoch, dass sich Frauen eher von der Politik fernhalten und sich dafür in anderen Bereichen engagieren. Als Frau fühlt sich die gebürtige Niederländerin in ihrer eigenen Partei gut aufgehoben. Bei der Besetzung von Listenplätzen beispielsweise haben Frauen bei den Grünen aufgrund der Quotenregelung gute Chancen auf den Einzug in ein politisches Gremium.

Quelle: RP/rl